Street Etiquette

Die New Yorker Joshua Kissi und Travis Gumbs verkörpern gemeinsam das erfolgreiche Männermodeblog Street Etiquette, welches 2011 bereits ausführlich in einem Artikel der New York Times beschrieben wurde. Da waren die Zwei allerdings gerade erst 22 Jahre alt. Joshua Kissis Eltern kommen ursprünglich aus Ghana, er wuchs jedoch in der Bronx auf und lebt nun in Brooklyn. Travis Gumbs wurde auf St. Kitts in der Karibik geboren und wuchs wie Joshua in der Bronx auf und lebt ebenfalls in Brooklyn. Die Afroamerikaner sind stolz auf ihre Wurzeln und möchten mit ihrem Look der farbigen Community als Wegweiser des guten Geschmacks dienen. Wir konnten die Dandys einen Tag in New York begleiten, näher kennenlernen und bei ihrem interessanten Alltag über die Schulter schauen:

Den Tag starten wir an ihrer alten High School. Der Ort an dem sie sich in der 11. Klasse kurz vor ihrem Abschluss kennengelernt haben. Ins Gespräch kamen die Zwei damals, als Joshua die Nike Air Bo Jackson Sneaker an Travis entdeckte. Aufgrund ihrer Liebe zu Sneakern und ihren Wurzeln in der Bronx schlossen sie eine bis heute anhaltenden enge Freundschaft. Sie selbst bezeichneten sich damals als Sneakerheads. In ihrer Freizeit waren sie die meiste Zeit online in gängigen Sneaker Foren wie Hypebeast, wo sie sich permanent über die wichtigsten News der Sneakerwelt austauschten. Ihr Sneakerfetisch brachte den Stein ins rollen und ihre Neugierde und Passion für die Mode wurde geweckt. Sie beschäftigten sich mit verschiedenen Epochen bzw. Stilrichtungen und pickten sich ihre individuellen Favoriten heraus. So fingen sie an ihren persönlichen, unverkennbaren Stil zusammenzusetzen.

Schon in der Schule sind sie aufgrund dessen herausgestochen, sind aufgefallen im Vergleich zum Rest der Mitschüler. Ihr jetziger Look, das betonen sie immer wieder, wäre ohne die Ausflüge in die Subkulturen des HipHops und der Skater, nicht das was er heute ist. Sie zitieren immer noch die Silhouetten dieser Jugendkulturen, brechen diese aber gekonnt mit klassischen Attributen der Herrenmode. Ein emanzipierter Stil, der sich seinen Wurzeln treu bleibt.

In ihrer alten Schule halten sie einen Vortrag und kommen ins Gespräch mit den jetzigen Schülern, in denen sie sich zum Teil wiedererkennen. Andererseits fällt ihnen auf, dass die Jugendlichen viel früher Bescheid wissen, wie sie ihre künstlerische Zukunft angehen wollen. Das war bei den Beiden nicht der Fall, denn sie waren froh, wenn sie mittelmäßige Noten mit nach Hause brachten. Daher hatten sie auch zu Beginn ein mulmiges Gefühl nach sieben Jahren an den Ort zurückzukehren, um den sie als Teenager gerne mal einen großen Bogen gemacht haben. Doch die Möglichkeit, den jungen Schülern zu vermitteln welche Möglichkeiten es für sie gibt um sich kreativ Auszudrücken und mit ihnen in den Dialog zu treten, ließ das Unbehagen schnell verschwinden. Sie fühlen sich sichtlich geehrt ihrer alten Schule etwas zurückgeben zu können.

Zur Stärkung ging es dann weiter nach Downtown Manhattan in das kleine Restaurant Cheeky Sandwiches. Ein absoluter Favorit des Duos, denn dort gibt es neben guten Sandwiches im New Orleans Style, die berühmte “southern hospitality”. Deshalb führen sie auch mit Vorliebe ihre Interviews im Cheeky’s und machen von Zeit zu Zeit Shootings im Lokal. Ihre regelmäßigen Aufenthalte in Downtown bzw. Manhattan sind maßgeblich prägend an ihrer Stilfindung. Joshua und Travis sind der Ansicht, dass es jeden, der Interesse an Mode und Kunst hat, ins Zentrum der Stadt verschlägt. Sie wollten und mussten nach Manhattan um sich visuell und intellektuell weiterzuentwickeln. Schon mit 12 stieg Joshua in den D-Train und fuhr von der Bronx nach Manhattan. Dort entdeckte er Sachen und Dinge, die es so in seiner Nachbarschaft nicht gab: Die Leute schauten über den Tellerrand hinaus, drückten ihre Meinung mit ihrer Kleidung aus und trauten sich Konventionen zu brechen. Downtown ist der Ort in dem die fünf Boroughs der Stadt zusammenkommen, Manhattan ist quasi der Schmelztiegel New Yorks: Es entsteht ein fließender Austausch, der inspirierend und sprunghaft zugleich ist.

Unser letzte Stop ist in einem traditionellen Barber Shop. Dort besuchen wir Steve Gilles von Director’s Cut, Inc. Steve “Sincere” Gilles ist ein talentierter Barbier, der viel Wert auf die alte Schule legt. Für ihn und vielen Afroamerikanern ist ein Besuch beim Barber mehr als nur ein Friseurbesuch. Man trifft Freunde aus der Nachbarschaft, bekommt ein Gefühl von Vertrautheit und Tradition und fühlt sich nach der Pflege tiefenentspannt – ein Ruhepol im hektischen Alltag der Großstadt. Im Barber Shop porträtieren die Jungs von Street Etiquette den Barbier Steve. Denn sie kooperieren seit neuestem mit Bevel, einem einheitlichen Rasiersystem, welches auf die körperlichen Gegebenheiten von farbigen Männern ausgerichtet ist. Für die Rasiermarke erarbeiten die Jungs digitale Inhalte und Markenstrategien. Neben Street Etiquette widmen sie sich noch anderen Projekten: Sie sind Markenbotschafter, Influencer und vermitteln ihre persönliche Vision von Ästhetik. Nebenbei bereiten sie den Launch ihres eigenen Modelabels “Black Ivy” vor. Eine Mode, die ihre Wünsche und Bedürfnisse aufgreift und frei vom saisonalen Modezirkus auf den Markt bringen soll. Anstelle von mehreren Kollektionen im Jahr, möchten sie ihr Augenmerk lieber auf spezielle kleinere Kapsel-Kollektionen legen. Auch die Rubrik Travel Etiquette, in der sie ihrem anderen großen Hobby, dem Reisen, Ausdruck verleihen, ist von großer Bedeutung für Joshua und Travis. Die digitalen Reisetagebücher die mit Videos, Texten und Bildern gespickt sind, eignen sich gut zum Inspirieren und Träumen. Aufgrund ihres jungen Alters und dem frühen Erfolg mit Street Etiquette, sollte man Joshua und Travis gut im Auge behalten und darf auf ihren weiteren Werdegang gespannt sein.

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Kommentare

  1. Mow

    hi,
    kann mir jemand weiterhelfen und mir sagen, wo ich denn so einen braunen/beigen Mantel herbekommen kann?
    Vielen Dank!

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