A New York Thing

Wir haben uns in New York City mit Kiernan Costello getroffen, um mehr über seine Marke aNYthing zu erfahren. Die T-Shirts, Kappen und Sweatshirts sind weiterhin begehrte Güter in der Streetwear-Szene, doch aNYthing ist weit mehr als nur eine Streetwear Brand, sondern sieht sich als eine Plattform für die Creative Community der Stadt. Mithilfe von wenigen Anrufen konnte Kiernan für uns Interviews mit Kreativen aus verschiedensten Generationen und Bereichen organisieren. So entstand ein Porträt über New York, eine Stadt die zwar niemals schläft, aber laut einiger ihrer Bewohner ihre Ecken und Kanten verloren hat.

Amber Ibarreche ist Künstlerin und stammt ursprünglich aus Florida, lebt derzeit in New York und möchte nach Los Angeles ziehen. Viele ihrer Arbeiten beschäftigen sich mit Typographie und haben fast schon poetische Ansätze in ihrer Wortwahl. Für sie sind die goldenen Zeiten der Ostküstenmetropole vorbei, denn auch hier hat die Gentrifizierung ihre Wirkung gezeigt. Viele Ecken und Kanten der Stadt wurden aufpoliert, Mode- und Restaurantketten sind in die Straßen eingezogen und mit all den Veränderungen ist vor allem eines passiert: eine Erhöhung der Lebenskosten und Mieten. Viele Mitglieder dieser kreativen Community stehen dadurch unter dem Druck, mit ihren Ideen möglichst schnell Profit zu schaffen, und fühlen sich dadurch in ihrer künstlerischen Freiheit eingeschränkt.

Der bekannte Streetfotograf Ricky Powell drückt das Problem folgendermaßen aus: „New York is what it was but isn’t anymore.“ Er ist echter New Yorker und begann seine Karierra als inoffizieller In-House Fotograf der Beastie Boys. Mittlerweile ist er vor allem für seine gleichzeitig intim und distanziert anmutenden Aufnahmen von Menschen auf der Straße bekannt. Auch er spürt die Veränderungen in seiner Nachbarschaft, möchte die Stadt aber auf keinen Fall verlassen. Sie bietet ihm unendliche Möglichkeiten in seiner Fotografie, wie die unendliche Playlist auf seinem Transistorradio. Auch sein Namensvetter Rick Librizzi lebt seit Jahrzehnten im Big Apple. Der Künstler, Kurator und Poet schätzt bis heute die Vielfalt der Stadt, die Menschen aller Nationalitäten, die zu einem eigenen Mikrokosmos verschmelzen. Viele Bewohner New Yorks denken darüber nach wegzuziehen. Manche sogar jährlich, wie die Performance Künstlerin und Musikerin Kembra Pfahler. Es ist jedoch nicht einfach eine Stadt zu verlassen, zu der so eine starke Beziehung besteht.

Für eine jüngere Generation ist das jedoch gar nicht notwendig. Mit Smurfo und Gogy Esparza haben wir zwei New Yorker getroffen, die, zumindest derzeit, auch hier bleiben wollen. Smurfo ist Visual Artist, DJ und Designer. New York fordert ihn auf, hart zu arbeiten und aktiv zu sein. Er sieht jedoch keinen Grund die Stadt zu verlassen, die ganze Welt kommt schließlich von selbst hierher. Auch Gogy Esparza sieht nach wie vor die guten Seiten. Er hat gerade sein eigenes Studio in Chinatown mit unglaublichen Blick auf die Canal Street bezogen und feiert internationale Erfolge mit seiner multimedialen Kunst. Für seine Projekte bietet die Stadt den idealen Nährboden.

Vielleicht hat New York Teile seiner rauen Atmosphäre verloren, trotzdem hat nur Amber Imbarreche konkrete Pläne die Stadt zu verlassen. Die Gentrifizierung ganzer Stadtteile hat garantiert negative Seiten, aber unsere Interviewpartner zeigen, dass darin auch Chancen stecken um aktiv zu werden und sich eigene Freiräume in der Hektik der Großstadt zu schaffen.

Alle Fotos © Stefan Hähnel

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